Heute ist der 14.12.2018 | EFS-Wetter: °C - Wind m/s - NS mm | letzte Homepage-Aktualisierung 2018-12-13 13:07:29
Schulgeschichte
Im Jahr 1999 feierte das kleinste Gymnasium Schleswig-Holsteins (mit im Jubiläumsjahr 279 Schülerinnen und Schülern, die von 26 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet wurden) seinen 50. Geburtstag. Eigentlich ist diese Schule schon mindestens 3 Jahre älter, denn angefangen hatte es bereits 1946: Am 14. Mai 1946 wurde in Anwesenheit von Vertretern der Landes-Schulbehörde, der Britischen Militärregierung und der Stadt Wyk auf Föhr die Carl-Hunnius-Schule als private Internatsschule feierlich eröffnet. Ihren Namen erhielt sie zu Ehren ihres Mitbegründers, dem ehemaligen Direktor und Begründer der Baltenschule in Misdroy/Pommern.

Der Unterricht fand in zwei Militärbaracken hinter dem Internatsgebäude Haus Nordmark in der Gmelinstraße statt ? neben dem Schöneberger Heim, wo heute Doppelhäuser mit Zweit- und Ferienwohnungen stehen. Wie im übrigen Schleswig-Holstein waren auch in Wyk viele Flüchtlinge und Vertriebene unter den Schülern und es fehlte an allem. So heißt es in einem Rückblick: ?In den Schulklassen saßen viele Schüler monatelang auf alten Gartenstühlen oder hochkantgestellten Schubladen. Geschrieben wurde auf jeder Art Papier, meistens auf Feldpostbriefen, von denen ein großer Posten erworben werden konnte. Hefte und Bücher fehlten fast völlig.? Aber Wissensdurst und Bildungshunger waren nach den Kriegs- und Elendsjahren unendlich groß ? und 1948 bestanden die ersten fünf Abiturienten ihre Prüfungen.

Als das Unternehmen infolge der Währungsreform in unüberwindliche Schwierigkeiten geriet, übernahm das Land Schleswig-Holstein zum 1.1.1949 die Trägerschaft der Schule, die nunmehr ?Staatliche Oberschule in Wyk auf Föhr? (ab 1955 Staatliches Gymnasium) hieß. Der Internatsbetrieb im Haus Nordmark wurde als ?Carl-Hunnius-Internat? privatwirtschaftlich weitergeführt.

1951 kaufte das Land von der Postgewerkschaft das ehemalige Pädagogiumsgebäude in der Straße ?Am Golfplatz?, das in den folgenden Jahren grundlegend umgebaut und 1953 von der Mittel- und Oberstufe bezogen wurde. Es sollte aber noch weitere 7 Jahre dauern, bis auch die Unterstufe die Barackenklassen in der Gmelinstraße räumen und in einen 1960 fertiggestellten Anbau an das Gymnasium einziehen konnte.

Dieses Gebäude des ehemaligen Pädagogiums macht uns darauf aufmerksam, dass die höhere Schulbildung auf Föhr durchaus eine Vorkriegsgeschichte hat. Schon im Jahre 1909 ließ Dr. Karl Gmelin, der Gründer des Nordsee-Sanatoriums, ein beachtliches Gebäude für sein neues Nordsee-Pädagogium errichten. Die Blockhäuser im Sanatoriumsgelände ? die heute noch im Nordsee-Kurpark zu finden sind ? waren zu eng geworden für die steigende Schülerzahl: im Schuljahr 1908/09 nutzten 75 dauernde (darunter 34 einheimische) Schüler das Bildungsangebot einer Realschule mit Zusatzkursen für Realprogymnasium und Progymnasium. Die folgenden Jahrzehnte waren einerseits gezeichnet von erfolgreicher schulischer Arbeit nach einem eindrucksvollen reformpädagogischen Konzept und andererseits von wirtschaftlichen Problemen aufgrund von Krieg, Krisen und persönlichen Rückschlägen. So wurde das ?Pädag?, wie es von den Einheimischen genannt wurde, 1931 verkauft, einige Jahre als Erholungsstätte für Beamte der Reichspost genutzt und 1935 dem ?obersten SA-Führer Adolf Hitler? geschenkt und von der SA als Erholungs- und Lehrgangsheim umgebaut. Der Schulbetrieb wurde ins Haus Nordmark verlagert, bis dieses 1940 von der Wehrmacht übernommen und das Nordsee-Pädagogium geschlossen wurde.

Nach dieser wechselvollen Geschichte schien das Gymnasium durch die Verstaatlichung in sicheres Fahrwasser zu gelangen. Dank des weiterhin bestehenden Carl-Hunnius-Internats und des 1955 hinzugekommenen Internats Haus Rothtraut (heute Gästehaus Rothtraut, Badestraße) lag die Schülerzahl über 300, so dass eine durchgängige Zweizügigkeit und tragfähige Basis auch für die Oberstufenarbeit (um 90 Schüler) vorhanden war. Doch getreu der Wyker Wappeninschrift ?Incertum quo fata ferunt? (etwa: ungewiss, wohin uns das Schicksal treibt) musste sich das Gymnasium immer wieder mit drohendem Abbau (der Oberstufe) oder einer Schließung auseinandersetzen. Grenzlandpolitische Argumente der Nachkriegszeit für den Erhalt der Inselschule (?Bollwerk einer deutschen Oberschule?) wurden Ende der 60er Jahre abgelöst durch die Befürwortung einer Gesamtschule auf Föhr auch mit dem Ziel, eine Zusammenlegung der Oberstufen im Kreisgebiet zu umgehen. Beides ? Zusammenlegung und Gesamtschule ? ist abgewendet worden. Allerdings konnte der attraktive Standort nicht gehalten werden: Das Gymnasium musste 1981 aus seiner ?pädagogischen Intimität?, wie der langjährige Schulleiter Jakob Tholund einmal die Vorzüge des kleinen Inselgymnasiums kennzeichnete, in das Schulzentrum am Rebbelstieg einziehen, jetzt unter der Trägerschaft des Kreises Nordfriesland und unter dem Namen ?Gymnasium Insel Föhr?. Nach wehmütigem Abschied vom alten Schulgebäude und -gelände (anschließend genutzt als Schullandheim des Kreises Rendsburg-Eckernförde bis zur Schließung Ende 2004) haben sich Schüler und Lehrer in die neue Umgebung eingelebt und die großzügigen Fachräume, einen inzwischen ebenfalls herrlichen Schulhof und ausgezeichnete Sportanlagen schätzen gelernt und sich mit Beton und Flachdach bestmöglich arrangiert.

Die Versorgung mit Lehrkräften bereitete Schwierigkeiten, so dass in einigen Fächern immer wieder Engpässe auftraten und die Kulturarbeit im Bereich Theaterspiel und musikalische Veranstaltungen nicht immer ihren alten Stellenwert behalten konnte. In jüngster Zeit gelingt es wieder, neben traditionellen Schwerpunkten im sportlichen und künstlerischen Bereich sowie der friesischen Sprach- und Kulturpflege dem Theater und der Musik (Chor und Orchester) mehr Gewicht zu verleihen.

Die seit der bedauerten aber wirtschaftlich sicher notwendigen Schließung der privaten Internate 1972 (Carl-Hunnius-Internat) und 1987 (Haus Rothtraut) fehlenden auswärtigen Schüler konnten zahlenmäßig durch eine zunehmende Mobilisierung der insularen Begabungsreserven kompensiert werden. So hat sich das Gymnasium seit den 60er Jahren bis in die 80er allmählich von einer Internatsschule zu einer Schule der Inselbevölkerung entwickelt. Eine ? allerdings seit wenigen Jahren wieder abnehmende ? Rolle spielen hier seit etwas über 20 Jahren auch die Abgänger der Amrumer Realschule, für deren Unterbringung auf Föhr sich seit 1992 ein von Amrumern gegründeter Verein engagiert.
Heinz Lorenzen 2003 (aktualisiert 2005)

Literatur:
Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum des Gymnasiums Insel Föhr. Wyk auf Föhr 1999
Gerhard Brugmann (Hrsg.): Misdroy ? Wyk ? Hemmelmark. Drei christlich-konservative Internate. Buchholz 2001
Friederike-Juliane Cornelßen, Christoph-Friedrich von Lowtzow (Hrsg.): Das Carl-Hunnius-Internat in Wyk auf Föhr. Pinneberg 2001
Heinz Lorenzen: Das Nordsee-Pädagogium am Südstrand auf Föhr. Schriftenreihe des Dr.-Carl-Haeberlin-Friesenmuseums Wyk auf Föhr. Husum 2001
Das Nordsee-Pädagogium 1910
Haus Nordmark in der Gmelinstraße
Schulbaracke hinter dem Haus Nordmark
Das Staatliche Gymnasium Am Golfplatz
Ehemaliger Schulhof und Sportplatz am Südstrand
Schülerzahlen von 1951-2003.
Entwicklung der Schülerzahlen 1980-2012.